Manchmal kommen Schüler zu mir, die überhaupt nicht singen wollen. Sie haben ein ganz anderes Problem: beim Sprechen wird ihre Stimme schnell heiser oder ihre Stimme klingt von Anfang an müde, kraftlos und leise. Oft fühlen sie sich damit vor allem im beruflichen Alltag beeinträchtigt und hatten bisher geglaubt, dass das einfach Veranlagung und eben nicht zu ändern sei. Natürlich kann es wirklich gesundheitliche Beeinträchtigungen geben, was in jedem Fall ein Facharzt – der Hals-Nasen-Ohren-Arzt, oder noch besser – der Phoniater - beurteilen muss, aber meistens kann man mit einigen Hinweisen und Übungen dem Betroffenen weiterhelfen.

 

Die Ursachen für eine schwache anfällige Stimme liegen beim gesunden Menschen oft im ungünstigen Spannungszustand der Muskeln und Sehnen im Kiefer-, Hals-, Nacken- und Schulterbereich, zusammenhängend mit der Körperhaltung. Außerdem schwächen die ungünstige Ausnutzung der sogenannten Resonanzräume, psychische Beeinträchtigungen, falsche Vorbilder oder eine falsche Vorstellung vom Klang der eigenen Stimme den Wohlklang.

 

An allen diesen Dingen kann man arbeiten und oft mit kleinen Veränderungen eine auffällige Verbesserung der Sprechstimme erreichen. Diese wiederum beeinflusst die Präsenz und die Wirkung der Rede und damit der ganzen Person. Das rein Sprechtechnische ist oft gar nicht das größte Problem für die Betroffenen, schwieriger ist es, diese andere wohlklingende Stimme als die eigene zu akzeptieren, denn die alte Stimme ist ja die schon langvertraute. So ist es nicht der längere Weg, schön und kraftvoll sprechen zu lernen, sondern dieses Können in den Alltag zu integrieren. Dazu gehört in manchem Fall wirklich Mut. Aber es lohnt sich, denn es macht richtig Spaß, wohlklingend zu sprechen und  Stimmklang und -stärke der jeweiligen Situation anpassen zu können, und  auch für die jeweiligen Zuhörer ist es angenehm, einer schönen Sprechstimme zu lauschen.