Im Ton vergriffen

Intonationsschulung

22. Oktober Josef-Wittwer-Haus Kriftel

hier ein Auszug aus dem Protokoll:

Es folgte ein fast einstündiger sehr lebendiger Vortrag von Frau Sylva Bouchard-Beier zum Thema: „Im Ton vergriffen – Intonation".

Zunächst erfolgte ein kleiner Ausflug in die Akustik: Was ist ein Ton, wie entsteht er und wie wird der Ton erzeugt!

Zum Thema Obertöne wurde uns das Obertonsingen eindrucksvoll veranschaulicht.

Um zum eigentlichen Problem zu kommen, warum Schüler die Töne nicht korrekt oder gar falsch „produzieren" erfuhren wir viele nützliche Details, wie das menschliche Gehirn funktioniert.

Wie sensibilisiere ich die Schüler zum Hören: Schwingungen/ Resonanzen selbst wahrnehmen, Methoden zur Gehörschulung wurden praktisch vorgestellt

z.B.: Empfinden der Töne: hoch/ tief, Gedächtnistraining Töne: Vorsingen – Nachsingen eines Tones zunächst direkt hintereinander, dann mit Pausen, die verlängert werden Anleitung zur Mehrstimmigkeit: Singen in der Quinte, Bordunquinte als Begleitung einer Melodie; Improvisieren

 

Es war ein prall gefüllter Vortrag mit vielen nützlichen Tipps und Tricks, von dem sicher jeder Teilnehmer bzw. Teilnehmerin Vieles mit in seine eigene Unterrichtspraxis mitnehmen konnte.

 


Wenn Sie auch eine kurze Einführung in die Intonationsschulung buchen wollen, wenden Sie sich gerne an:

Sylva Bouchard-Beier

 

Immer wieder kommen Schüler zu mir, die nicht sauber singen. Die häufigste Ursache dafür liegt auf der Hand –mangelnde Übung im Kindesalter. „Musikalische Früherziehung“ durch Singen mit den Eltern und Geschwistern oder im Kindergarten ist seit etwa 30 Jahren im Westen und seit 20 Jahren auch im Osten des Landes keine Selbstverständlichkeit mehr. In den siebziger Jahren gab es bei 30 Kindern in der Grundschule etwa einen „Falsch- oder Tiefsänger" , auch „Brummer“ genannt, heute sind es bald 8. Und die Kinder, die singen können, sollen sich oft „verwirklichen“ und singen vor allem laut mit klassischen Bandinstrumenten und Playbacks, ohne die Feinheiten der Harmonie kennenzulernen. Diese erschließt sich in allererster Linie beim Zusammenklang mit anderen Stimmen.

 

Natürlich ist es schwierig, diese früh verpasste Gelegenheit nachzuholen und manch einer wird nie ganz rein intonieren. Trotzdem hat es mich gereizt, Methoden zu finden, mit denen man die Intonation verbessern kann. Keiner meiner ehemaligen Lehrer musste sich mit diesem Problem herumschlagen. So musste ich mir selber Übungen ausdenken und ausprobieren. Viele sind sicherlich nicht neu, doch kommen sie heute selbst in Chören selten zur Anwendung. Auf der anderen Seite hilft mir natürlich die heute zur Verfügung stehende Technik, ( elektronische Klänge, Aufnahmegeräte und der Computer) um das Gehör zu schulen.

Inzwischen verfüge ich über einige Erfahrung auf diesem Gebiet, die meinen Schülern und auch meinen beiden Vokalensembles zugute kommen.

Hier meine Einsteige-Intonationsübungen für Falschsänger:


(Wer mehr Materialien von mir bekommen möchte, melde sich einfach unter Kontakt.)

Der folgende Abschnitt kann von Sängern mit nur leichten Intonationsschwierigkeiten übersprungen werden.

 

1. Intonationsübung:  Gemeinsam einen! Ton singen


Bewährt hat sich bei Singenden, die einen Ton vom Klavier oder einem anderen Sänger nicht nachsingen können, den umgekehrten Weg zu gehen. Man lässt den „ Falschsänger“ selbst einen Ton anstimmen und halten und spielt (Orgel, Streich-, Blasinstrument- lange Töne!)
oder singt genau diesen Ton mit. Auch wenn anfangs sicher Tonschwankungen auftreten, die man dann als erfahrener Mitsänger eben mitmachen muss, wird sich irgendwann ein Gefühl für das Gleichschwingen oder eben Reibungen entwickeln.
Dieses Gleichschwingen wird vom Übenden dann als Harmonie wahrgenommen und durch häufiges! Üben immer sicherer beibehalten werden können.


 

2. Intonationsübung: Was ist hoch, was ist tief?


Oftmals können diese „Falschsänger“ auf die Anweisung höher oder tiefer zu singen nicht reagieren. Manchmal helfen dann andereWorte wie „heller“ und „dunkler“, „männlich“ oder „kindlich“, oder das Nachahmen von Geräuschen wie z. B. dem Brummen einer Hummel, dem Summen einer Biene und dem Sirren einer Mücke. Auch die Nachahmung einer Sirene hilft, den eigenen Stimmumfang zu entdecken.

 

Das Empfinden für hoch und tief dafür muss zunächst entwickelt werden und eine Orientierung im Tonraum
gefunden werden. Dann jedoch sollte der Singende irgendwann Töne, die relativ höher oder tiefer als der eben gesungene sind, schnell finden.



3. Intonationsübung: Singen in verschiedenen Oktaven

 

Es ist für Singende ohne Singerfahrung anfangs schwierig, mit einem Lehrer des anderen Geschlechts sich auf einen gemeinsamen Ton zu einigen, da der andere entweder in einer anderen Oktave singt, oder zwar in der gleichen Tonlage, die sich dann aber durch den anderen Spannungszustand der Stimmbänder vollkommen anders anfühlt.

 

Daher ist es in diesem Falle ratsam, ein Instrument zu benutzen. Günstig ist ein Elektroklavier mit seinen verschiedenen Klängen, von denen man sich zusammen einen gut nachahmbaren Klang heraussuchen
kann. Oft bieten sich der Orgelklang, Streicher oder Stimme an.

 

Wenn der Singende einen Ton halten kann, sollte der Lehrerin den Ton in seiner Oktave dazu singen und auf den Gleichklang hinweisen. Nach und nach gewöhnt sich der Schüler an die andere Oktave und kann
seine Töne besser einordnen.



4. Intonationsübung: Eine Stufe herauf- und herabsingen.


Tatsächlich hilft es, mit dem Lernenden gemeinsam eine Treppenstufe herauf- und herabzusteigen und dabei - ausgehend von der ersten Stufe - die 2. Stufe als zweiten Ton der Durtonleiter zu entdecken. Wichtig ist, am Anfang immer mitzusingen, damit sich die Erfahrung des Gleichschwingens einprägt.